Arbeitsmarkt im August 2020

 In Eichsfeld, Kyffhäuser, News, Nordhausen

Deutschland hat im weltweiten Vergleich bislang die gesundheitlichen Folgen der Corona-Pandemie gut bewältigt. Zunehmend hinterfragt werden die weiteren Folgen. So belastet die Corona-Krise den deutschen Arbeitsmarkt und hat das deutsche Beschäftigungswunder im Frühjahr 2020 beendet. Dies zeigt sich weiter auch im regionalen Arbeitsmarkt Nordthüringens.

Ende August waren 9.179 Personen ohne Arbeit. Die Zahl der Arbeitslosen lag im Agenturbezirk leicht unter dem Wert des Monats Juli. Gegenüber August 2019 stieg die Arbeitslosigkeit deutlich an, teilte die Agenturleitung am Dienstag mit.

„Die Arbeitslosigkeit liegt in Nordthüringen praktisch unverändert auf dem Niveau der Vormonate. Die Arbeitslosenquote ist seit Mai mit 6,9 Prozent gleichgeblieben“, beschreibt Karsten Froböse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nordhausen, die Situation. Die Agentur Nordhausen ist zuständig für den Landkreis Nordhausen, den Kyffhäuserkreis und das Eichsfeld.

„Die Folgen der Pandemie sind deutlich sichtbar. Wir haben knapp sechzehn Prozent mehr Arbeitslose zum Vorjahr“, bilanziert Froböse. Zudem stieg im Frühjahr sprunghaft die Zahl der Kurzarbeiter. Kurzarbeit sichert Beschäftigung und verhindere Arbeitslosigkeit, schätzte er ein.

Am stärksten wirke sich die Situation in den Landkreisen Nordhausen und Eichsfeld aus. „In Nordhausen liegt die Arbeitslosenquote erstmals über dem Kyffhäuserkreis.“ Vor allem im verarbeitenden Gewerbe verzeichnet Nordhausen aktuell eine schwierige Lage. Der ländlich geprägte Kyffhäuserkreis mit vorwiegend klein- und mittelständischen Unternehmen hingegen bekäme die Auswirkungen nicht so stark zu spüren.

Der Blick in die Landkreise

3.535 Menschen waren im Landkreis Nordhausen im letzten Monat arbeitslos, etwa so viel wie im Vormonat, aber knapp 20 Prozent. (+ 571) mehr als im August 2019. Die Arbeitslosenquote lag jüngst bei 8,3 Prozent. Im Vorjahresmonat betrug sie noch 7,0 Prozent.

Im Kyffhäuserkreis ging die Zahl der Arbeitslosen gegenüber Juli um zwei Prozent zurück. 3.081 Menschen waren ohne Arbeit. Das sind rund sechzig Personen weniger als vier Wochen zuvor. Zum Vorjahr stieg die Zahl der Arbeitslosen um 6,5 Prozent – aber deutlich geringer als in den beiden anderen Landkreisen. Auch im thüringenweiten Vergleich habe der Landkreis neben dem Altenburger Land den niedrigsten Zuwachs. Die Arbeitslosenquote lag im Juli bei 8,2 Prozent, -0,2 Prozentpunkte zum Vormonat. Im Vorjahr betrug die Quote 7,7 Prozent.

Im Landkreis Eichsfeld ging die Arbeitslosigkeit zum Vorjahr um über zwanzig Prozent (+ 485) nach oben. 2.563 Jobsuchende wurden registriert, 20 mehr als im Juli. Die Arbeitslosenquote liegt bei 4,8 Prozent. Die Quote des Vorjahres betrug 3,9 Prozent.

Kurzarbeit gibt Sicherheit

Kurzarbeit sei nach wie vor für viele Unternehmen das entscheidende Instrument, um sicher durch die Krise zu kommen. Wie eine erste Hochrechnung für April zeigt, waren 2.000 Betriebe mit rund 14.800 Arbeitnehmern in den drei Landkreisen von Kurzarbeit betroffen. Von März bis August wurden bislang insgesamt rund 3.190 Anzeigen auf Kurzarbeit und über 9.000 Anträge bearbeitet.

Menschen ohne Berufsabschluss und Agenturkunden stärker betroffen

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft hat Anfang der Woche eine Studie vorgestellt, wonach nicht alle Arbeitnehmer gleich unter den Corona-Folgen leiden. Vor allem junge Menschen und Menschen ohne Berufsausbildung sind in Folge von Corona überdurchschnittlich mit Arbeitslosigkeit und fehlenden Jobchancen konfrontiert.

Nordhausens Agenturchef bestätigt die bundesweite Tendenz auch für die Region: Insbesondere Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung sind in Nordthüringen stärker von Arbeitslosigkeit betroffen. Um rund ein Viertel sei die Zahl bei Ungelernten ohne Beschäftigung im August zum Vorjahr gestiegen.

Sichtbar würden die Folgen der Konjunkturschwächung seit letztem Jahr in erster Linie bei den Kurzzeitarbeitslosen. In den Landkreisen Nordhausen und Eichsfeld habe man bei den Kunden der Arbeitsagentur im letzten Monat einen Anstieg zum Vorjahresmonat um rund vierzig, im Kyffhäuserkreis um knapp dreißig Prozent.

Bei den Männern stieg die Arbeitslosigkeit im August stärker als bei den Frauen. Um fast 20 Prozent lag die Zahl der männlichen Arbeitslosen über dem Vorjahresmonat. Der Zuwachs bei den Frauen fiel mit 11 Prozent hingegen geringer aus.

Weniger freie Stellen seit Jahresbeginn

Wer seinen Arbeitsplatz verloren hat, sucht meist schnellstmöglich neue Beschäftigung. Allerdings liege die Zahl freier Stellen seit Jahresbeginn um rund 28 Prozent unter der des Vorjahres. 1.870 Arbeitsangebote wurden seit Januar gemeldet. Allein aus dem verarbeitenden Gewerbe ging die Zahl um ein Drittel zurück, im Baugewerbe um nahezu ein Viertel. Zeitarbeit und Gastronomie meldeten 21 Prozent weniger Arbeitsangebote.

Ausbildungsplatz kurzfristig vermittelbar

In allen drei Landkreisen hatte die Arbeitsagentur im August zu einer Ausbildungsbörse aufgerufen. 150 Bewerber, die noch keinen Ausbildungsplatz hatten, wurden eingeladen. Fast 100 Jugendliche kamen und informierten sich über Ausbildungsmöglichkeiten für dieses Jahr. „Wer noch nichts gefunden hat, bekommt noch eine Chance“, sagt Froböse. Es wird eine Last-Minute-Telefonaktion geben. Gemeinsam mit der IHK Erfurt und der Handwerkskammer Erfurt können sich Jugendliche übermorgen, am 3. September 2020, zwischen 13 und 18 Uhr telefonisch über freie Ausbildungsstellen informieren, die ab Herbst beginnen.

Erwartungen

Der ifo Geschäftsklimaindex ist im August gestiegen. Dies teilte das Münchner ifo-Forschungsinstitut gerade mit. Die Unternehmen beurteilten also die aktuelle Lage im Vergleich zum Vormonat besser. Das gibt gewisse Hoffnung.

Bis zum einsetzenden Aufschwung hilft die Politik sowohl Beschäftigten als auch Unternehmern. Der erleichterte Zugang zu Leistungen der Grundsicherung für Arbeitssuchende während der Corona-Pandemie war sinnvoll und erfolgreich. Das bilanziert die Bundesregierung auf Drucksache 19/21528. Die Regelungen im Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) sollten sicherstellen, dass denjenigen, die in besonderer Weise von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie betroffen waren und sind, möglichst schnell und einfach geholfen werde. Dieses Ziel ist erreicht worden, teilt die Bundesregierung mit. Außerdem habe der erleichterte Zugang dazu geführt, dass die gestiegene Zahl der Anträge von den Jobcentern gut bewältigt werden konnte, ohne dass es insgesamt zu Verzögerungen oder Qualitätseinbußen gekommen sei, heißt es in der Antwort.

Mehr Kreditzusagen an Unternehmen

Im ersten Halbjahr 2020 hat die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in 4.801 Fällen Kreditzusagen an Firmen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gemacht. Für Unternehmen im Freistaat Thüringen wurden 1.487 Anträge positiv beschieden, informiert die Bundesregierung auf Drucksache 19/21588. Insbesondere in den Monaten April und Mai stieg die Zahl der Kreditzusagen deutlich und flachte im Juni wieder ab.

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