Der Arbeitsmarkt im Juni 2020

 In Eichsfeld, Kyffhäuser, News, Nordhausen, Thüringen

Am Ende des ersten Halbjahres lag die Zahl der Arbeitslosen in Nordthüringen coronabedingt weiter hoch: 9.200 Personen sind arbeitslos gemeldet, hinzukommen über 3.200 in Kurzarbeit.

„Die Zahl der Arbeitslosen ist gegenüber Mai praktisch konstant geblieben“, teilte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nordhausen, Karsten Froböse, mit. „Die Situation ist schwierig. Wir haben zwanzig Prozent mehr Arbeitslose als im Vorjahr.“ Männer (+25,3%) sind beim Anstieg der Arbeitslosigkeit stärker als Frauen (+14,1%) betroffen.

Die Wirtschaft fragte im Juni 2020 weniger Arbeitskräfte als bislang nach. Insbesondere bei den Automobilzulieferern, bei Zeitarbeitsunternehmen, in Teilen des Einzelhandels und der Gastronomie sei die Nachfrage gering, bilanziert die Agentur für Arbeit, die für die Landkreise Nordhausen, Kyffhäuser und Eichsfeld zuständig ist.

Die Corona-Krise bleibt thüringenweit präsent. Anders als in den Juni-Monaten der Vorjahre stieg die Arbeitslosigkeit saisonuntypisch an. 70.600 Frauen und Männer waren in Thüringen arbeitslos gemeldet. Das waren fast 100 mehr als im Mai und 13.800 mehr als im Juni 2019. Die Arbeitslosenquote lag unverändert zum Vormonat bei 6,3 Prozent.

In Nordthüringen gingen die Arbeitslosmeldungen im Juni zurück. Verglichen mit Mai habe man fast zwanzig, zum Vorjahr sechs Prozent weniger. Die Arbeitslosenquote liegt im Agenturbezirk – unverändert zum Mai – bei 6,9 Prozent und bildet in Thüringen hinter dem Agenturbezirk Gotha den höchsten Wert. Nordthüringen liegt damit auf dem Niveau von Frankfurt am Main oder der Region Hannover.

Wieder mehr Weiterbildungen

Menschen wollen oder müssen sich in diesen Zeiten beruflich neuorientieren, betont der Chef der Arbeitsagentur Nordhausen. Nachdem die Bildungseinrichtungen ihr persönliches Angebot erweitern, bieten sich für die Menschen wieder mehr Möglichkeiten zur Qualifizierung. „Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist eine Qualifizierung entscheidend“, bestätigt Karsten Froböse. Nachfragestarke Bereiche, wie beispielsweise die Altenpflege oder die Gesundheitsbranche suchen gut ausgebildete Leute. Ab September beginnen die Qualifizierungen zur Pflegefachkraft. Das könne für manch einen eine gute Alternative sein. „Der Beruf ist anspruchsvoll und mit hohen persönliche Anforderungen verbunden“, weiß Froböse. „Aber er bietet konjunkturunabhängig berufliche Perspektiven.“

Insgesamt absolvieren aktuell rund 470 Arbeitslose eine berufliche Bildungsmaßnahme. Vor einem Jahr waren es knapp 540. Auch hier habe sich der Lockdown ausgewirkt. „Gemeinsam können wir hier jetzt mehr bewegen.“

Kurzarbeit sichert Arbeitsplätze

Die Förderung durch Kurzarbeit sichere nach wie vor vielen Menschen den Arbeitsplatz, unterstreicht Karsten Froböse. Im Juni sind 65 Anzeigen über Kurzarbeit für rund 680 Personen eingegangen. Insgesamt wurden seit März über 3.200 Anzeigen eingereicht. Die Agentur zahlt das Kurzarbeitergeld auf Antrag der Arbeitgeber (nachträglich) aus. Da die Mitarbeiter in Kurzarbeit aber arbeitsvertraglich gebunden sind und nicht als arbeitslos gelten, wird diese Zahl nicht in der Arbeitslosenstatistik geführt.

Der Blick in die Landkreise

Im Landkreis Eichsfeld ging die Arbeitslosigkeit zum Vorjahr um ein Drittel nach oben. 2.545 Jobsuchende wurden registriert, etwa so viel wie im Mai. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 4,7 Prozent, genau wie im Vormonat. Die Quote des Vorjahres betrug 3,6 Prozent.

Im Landkreis Nordhausen waren im Juni 3.484 Menschen arbeitslos. Hier blieb die Arbeitslosigkeit zum Vormonat annähernd konstant. Zum Vorjahr betrug die Steigerung rund ein Fünftel. Die Arbeitslosenquote lag im Juni unverändert bei 8,2 Prozent. Im Vorjahresmonat betrug sie noch 6,8 Prozent.

Im Kyffhäuserkreis ging die Zahl der Arbeitslosen zum Mai zurück. 3.173 Menschen waren Ende Juni ohne Arbeit. Das sind über 50 weniger als vier Wochen zuvor. Der Anstieg zum Vorjahr um 10,5 Prozent fiel in den drei Landkreisen am geringsten aus. Der Kyffhäuserkreis hatte im Juni eine Arbeitslosenquote von 8,5 Prozent und lag damit über den 7,6 Prozent des Vorjahres.

Froböse: „Die Zukunft macht keine Ferien“

Der Beginn des neuen Ausbildungsjahres rückt näher. Noch ist nicht für alle Bewerber klar, wie es nach den Ferien weitergeht. Neben den Schülern seien auch die arbeitslosen Jugendlichen angesprochen, die aktuell noch keine Berufsausbildung haben. Auch mit Mitte zwanzig sei es für eine Berufsausbildung nicht zu spät.

Bei über 600 Ausbildungsstellen stehen derzeit die Entscheidungen noch aus, oder sie sind noch nicht besetzt.

In Bad Frankenhausen habe man für den 05. August und in Nordhausen für den 12. August eine Ausbildungsbörse gemeinsam mit den Kreishandwerkerschaften, der IHK und Vertretern der Landkreise vorbereitet. Für den Landkreis Eichsfeld ist die Börse in Planung. Schüler und Bertriebe hätten so in letzter Minute noch die Möglichkeit sich kennenzulernen. „Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind Flexibilität und Engagement der Schlüssel zum Erfolg“, sagt Froböse. „An diesen Tagen haben Jugendliche noch eine weitere Chance auf einen Ausbildungsplatz.“ Ein Corona-Ausbildungsjahrgang solle vermieden werden. Karsten Froböse: „Es geht um die Zukunft der jungen Menschen und Zukunft macht keine Ferien.“ Es gäbe noch zahlreiche gute Ausbildungsangebote in den Landkreisen. Interessenten können sich unter 03631 650350 anmelden. Aus Gründen des Infektionsschutzes ist eine Anmeldung erforderlich.

Foto: Coronabedingt sind auch in Gastronomie und Einzelhandel weniger Arbeitskräfte nachgefragt; Bild von Shutterbug75 auf Pixabay

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